Staudämme gefährden Riesenfische
Vier der weltgrößten Süßwasserfische leben im Mekong. Dort sollen nun gleich mehrere gigantische Dämme gebaut werden. Für die seltenen Tiere könnte dies das Aus bedeuten.
Die Mekong River Commission, die aus den Anreinerstaaten des Mekong besteht, plant elf Dämme entlang des Flusses zu bauen. Diese stellen für die meterlangen Riesenfische unpassierbare Hindernisse dar, warnt die Umweltschutzorganisation WWF. Die Staustufen am Unterlauf des 4800 Kilometer langen Flusses würden das Überleben der Fische bedrohen.
Im Mekong leben vier der zehn größten Süßwasserfische der Welt, darunter der Riesenstachelrochen, der bis zu 600 Kilogramm schwer und bis zu fünf Meter lang wird. Der Riesenwels bringt es auf 350 Kilogramm. „Der Mekong-Strom ist ein Fluss der Superlative. Hier leben mehr riesige Süßwasserfische als in jedem anderen Strom der Erde“, sagte WWF-Experte Petr Obrdlik. Fische von dieser Größe seien nicht in der Lage, Staudämme zu überwinden. „Sollten die geplanten Dämme tatsächlich realisiert werden, könnte das mittel- bis langfristig zum Kollaps der Populationen führen“, erläuterte Obrdlik. Wichtige Wanderrouten würden unterbrochen, die Laichgründe wären nicht mehr erreichbar. Bereits jetzt könnten die Mekong-Riesenwelse an vielen Stellen durch Sperren nicht mehr zu ihren gewohnten Laichplätzen vordringen.
Riesenfische wandern mehr als 2000 Kilometer
„Der Mekong-Riesenwels wandert regelmäßig von Kambodscha mehr als 2000 Kilometer den Fluss hinauf, um in Thailand oder Laos zu laichen“, erklärte Roland Gramling vom WWF gegenüber FOCUS Online. Die Fischgiganten stehen stellvertretend für ein ganzes Ökosystem: „Zahlreiche wandernde Fischarten im Mekong sind von den geplanten Wasserkraftwerken bedroht“, sagte Gramling. „Das kann für die 320 Millionen Menschen, die entlang des Mekong leben, ebenfalls zum Problem werden. Denn diese Arten stehen für 70 Prozent der Fänge in der Fischerei am Mekong.“
Der WWF fordert deshalb zunächst Studien über die Auswirkungen der geplanten Dämme auf die Fischpopulation im Mekong, bevor die Bauarbeiten beginnen. Einen möglichen Lösungsvorschlag haben die Mitarbeiter der Organisation schon zur Hand: „Es sind so groß dimensionierte Fischtreppen möglich, dass auch die Mekong-Riesenfische diese passieren können“, erläuterte Gramling. Allerdings seien die Konsortien, die mit dem Bau der Staudämme beauftragt sind, oft nicht bereit für die Mehrkosten des Umweltschutzes aufzukommen.
Bereits heute gilt der Mekong-Riesenwels als bedrohte Art und steht deshalb auf der Roten Liste der Umweltschutzorganisation. Aber auch der Vielfraß-Haiwels, der sogar Hühner- und Hundekadaver frisst, und der Siamesische Riesenkarpfen sind in ihren Beständen gefährdet.
Quelle: FOCUS ONLINE/ago/dpa/AFP/WWF
http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/natur/mekong-delta-staudaemme-gefaehrden-riesenfische_aid_535321.html
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